Sep 24, 2007

Anmeldung zu Prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen



"Sehr geehrte Damen und Herren.
Als erstes möchte ich mich für diese Email entschuldigen, wenn Sie nicht persönlich für mein Problem verantwortlich sein sollten - wie es auch sei, Ihre eMail Adresse stand da auf der Homepage, also nehme ich an Sie sind entweder verantwortlich oder wissen schon, wohin Sie dies bitte weiterleiten mögen.
Seit diesem Semester kann ich mich für meine Proseminare, und ich nehme an in Bälde auch meine Prüfungen, nur noch über die Homepage der Universität Wien anmelden.
Das ist eine gute Idee, schließlich war jede frühere Anmeldung immer ein bisschen der Willkür des Veranstalters unterlegen, ein übler Zustand, gut dass dies Vergangenheit sein wird.
Nun ist das alles anders, im 21. Jahrhundert darf ich endlich, als gebührenzahlender Student der Universität Wien, dieser Perle der Europäischen Bildungslandschaft, da darf ich mit Fug und Recht endlich der Willkür eines Computers unterliegen, und nicht der eines fehlerbehafteten Menschleins, das sich wohlmöglich in der Zeile vertut und mich für die "vertiefende Theorie zum Paragleitflug, 1ECTS-Punkt" anmeldet.
1000 Punkte habe ich zur freien Vergabe erhalten, für meine Studiengebühren, und für diese 1000 Punkte darf ich mir meine Prüfungsimmanenten Veranstaltungen kaufen. Nur fair. Ich bin davon überzeugt, dass es bei so hochfreqeuenten Studiengängen wie Theaterwissenschaft, oder der Medizin, der Juristerei oder eben der PHILOSOPHIE, wo die Menschenmassen ja ohne so wirksame Schutzmaßnahmen vor studioser Überflutung nur mit einem Bagger zu bewältigen scheinen, nötig ist, und Sie die geniale Idee hatten, dass nun jeder gleich, und gleich wertlos ist.
Meine Bemühungen, mich möglichst rasch für die Veranstaltungen, die mich interessieren, anzumelden, das wohlmöglich frühere Aufstehen, all das ist jetzt obsolet, ich geb dem System meine 333 Punkte für eine Veranstaltung, und darf mich darauf freuen, von all den anderen faulen Eiern, die nur 2 solcher Veranstaltungen im Semester planen, überboten, getroffen und ausgelacht zu werden.
Ich freue mich herzlich auf diese Lotterie, und ich bin glücklich dass Sie meine Mittel so gut zu verwenden wissen.

Mit herzlichem Dank für das aktive Behindern meines Studienfortgangs und freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für das kommende Semester,"

Sep 14, 2007

where art thou

ich wollte nicht schon wieder eine big-brother referenz als überschrift bringen, angemessen wäre es jedoch allemal.
Hasan Elahi, Kunstprofessor in den USA und US-Staatsbürger wurde vor einiger Zeit bei seiner Einreise verhaftet, wegen seines Aussehens und weil er viele Stempel im Pass hat. Nachdem ihm nichts nachgewiesen werden konnte, wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt, und ist sich jetzt seiner Freiheit nicht mehr sicher, so dass er sich zu einem .. unüblichen Schritt gedrängt sah. Er gibt seine Privatssphäre auf. Seine gesamte Wohnung von ihm selbst Videoüberwacht, eine Kamera dabei wo er geht und steht, statt Unschuldsvermutung der Unschuldsbeweis.
Auf seiner Homepage kann man Elahi nun rund um die Uhr verfolgen: http://trackingtransience.net/

Das ist echt ein hartes Stück, und auch wenn man sagen könnte "na gut, ist ein Ammi, die haben schon ganz andere Sachen gemacht" - naja. Land of the free, anyone?

Sep 11, 2007

newspeak


vor kurzem wurde eva hermann, autorin des buches "das eva-prinzip", moderatorin zuletzt bei ndr, von ebendiesem deutschen sender fristlos verabschiedet.
grund dafür war, dass ihre schriftstellerische tätigkeit und die ansichten, die sie bei jener vertritt, nicht mehr die objektivität erwarten lassen, die eben moderierend gebraucht wird.
auslöser war, dass hermann tags davor bei einer präsentation ihres neuen buches "das prinzip arche noah" gesagt hat, dass im dritten reich vieles schlecht gewesen sei, "wie zum beispiel hitler", aber dass es auch positive aspekte, zum beispiel die rolle der mutter gegeben habe.
wie kommt man dazu, sowas zu sagen?
ich habe das erste buch, "eva-prinzip", nicht gelesen, worum es jedoch darin gehen soll ist der lösungsvorschlag der westlich-dekadenten problemgesellschafts-probleme durch die rückbesinnung der frauen auf ihre häuslichen und gebärmäßigen aufgaben, und das vorziehen von kindern statt karriere, das der gesellschaft helfen würde.

nun. eins muss man ihr lassen, rein theoretisch ist das ein technisch und rational umsetzbarer vorschlag. wenn alles einfacher wäre, und das eine geschlecht arbeitet, das andere schuftet, und logischerweise das, das die kinder rausploppt auch gleich das ist, dass danach aufwischt, es ist ja nachvollziehbar, so ein gedanke des patriarchats, und so weltfremd ja nun auch wieder nicht - schließlich wars ja früher einfach so.

wir haben es also mit einem sentimental/rückbesinnenden, ich sage bewusst nicht "konservativen" lösungsvorschlag zu tun.
"es hat ja früher auch geklappt", quasi, "frauen, zurück an den herd wo ihr herkamt."

doch ob man nun frau hermann folgen kann oder ihr nur insofern recht gibt, als dass sie dann wenigstens als analphabetin in der küche nicht zum schreiben gekommen wäre, es ist gleich, denn ihr vorschlag ist ein absoluter, und als solcher zum scheitern verurteilt wie jede absolute idee in einer demokratischen gesellschaft nur, auf kurz oder lang, fehlschagen kann.

und lassen wir die diskussionen um "die frau" (nicht die hermann) beiseite, ich halte sie für verachtend/verächtlich sinnlos, und kommen wir zum eigentlichen thema. die hermann, und das war ihr ruin, hat gesagt das im zeitraum zwischen 1938 und 1945 in zentraleuropa etwas nicht hundertprozentig abgrundtief hassenswertes passiert ist, und da hört sich der spaß auf.
natürlich, es ist immer ansichtssache und freie meinung, was man gut und schlecht findet, aber nicht hier, und nicht bei diesem thema. und wieso? müssen erst noch alle export-argentinier, zeitzeugen, (ex)*nazis draufgehen, und ihre kinder auch noch, bis man neutral über diese zeit diskutieren kann? das ist schon etwas seltsam, und ich muss an noam chomsky denken, der trotz all seiner amerikakritik immer noch das leben dort vorzieht, weil seiner meinung nach die freie meinung in europa eine doppelmoralige konformitätslüge ist. * "ex" ist leider bewusst in der klammer.
man bedenke, das verkehrssystem hat zentraleuropa aus kosten- und damit meine ich bequemlichkeits-gründen einfach von den nazis übernommen, und volkswagen sind auch noch immer unterwegs, die hermann-göhring-werke in österreich (jetzt voest-alpine) liegen auch nicht still, kurz: vieles aus der nazizeit hat überlebt, und wird heute garnicht als schrecklich angenommen, und würde man, außer als bmw-mitarbeiter natürlich, einen vw-fahrer einen wiederbetätiger nennen?
deutschland und österreich haben die zeitgeschichte einfach noch nicht verarbeitet, das ist nicht schön, aber okay, wenn man sich den rest der welt ansieht, und wie die auch ihre geschichte noch nicht verarbeitet haben. japan, frankreich, england, indien, bosnien, ich brauche keine liste schreiben um klarzumachen was ich meine.

eva hermann hat ein eisen angerührt, das um einiges heißer war als sie wohl dachte. klar, die nazizeit war eine scheißzeit, ich hoffe da sind meine leser meinungseinig, aber es ist einfach eine tatsache das nichts so schlecht ist, und nicht mal der zweite weltkrieg, als dass er nicht auch was gutes gebracht hätte, wenigstens als sekundäres beiwerk. hedy lamarr, grundstein zur mobilfunktechnologie, kalter krieg, internet, französische revolution, demokratie, gerade im krieg bekommen wirtschaft und forschung einen großen push nach vorne. da gibt es zuerst gewinner und verlierer, und nach und nach werden die verlierer immer mehr auch zu gewinnern, bis/weil alle davon profitieren.

ich glaube dass frau hermann nicht recht hat damit, dass die rolle der mütter besser war im zweiten weltkrieg.

dieser beitrag soll nur dikussionsgrundlage sein, ich hoffe einige lassen sich darauf ein.

[c] fabian bazant]
fabian bazant | gmail com



## Blogger ## Xubuntu ##